Faustball

In den Jahren 1898 bis 1899 wurde neben dem Turnbetrieb, welcher sich wettkampfmäßig auf Geräteturnen, Ringkampf und Gewichtheben aufbaute, zusätzlich noch Leichtathletik in einzelnen Disziplinen, wie Steinstoßen, Kugelstoßen, Sprung und Lauf, durchgeführt. Da im Sommer aber Gemeinschaftsspiele, also Mannschaftsspiele, fehlten, wurden Ballspiele durchgeführt.
Auch standen noch keine Spielplätze zur Verfügung, so dass auf dem Hof eine
Leine gespannt und der Ball mit der Faust über die Leine gespielt wurde .
Zunächst nicht als Wettkampf, sondern aus Spaß an der Freude und der Bewegung.
Es gab keine Regel, der Ball mußte nur über die Leine gebracht werden,
nachdem er dreimal den Boden berührt hatte. Dann wurde nach Zeit gespielt,
und die Bälle, welche über die Leine gingen, gezählt.
Aufschlag hatte im Gegensatz zu heute die Mannschaft, welche den Gutpunkt gemacht hatte.
Die Pioniere des Faustballspiels, als solche kann man auch diese Männer bezeichnen, waren auch gleichzeitig bewährte Turner wie, A. Reinhardt, M. Krembs,  Weber, Biegler, Heinecke, Klein usw.

Schon 1909 begann der richtige Wettspielbetrieb. Vorerst noch im kleinen Rahmen, im Jahre 1911 aber schon in größerem Kreis. Es wurde die Spielunion Groitzsch – Borna – Bad Lausik – Frohburg – Zwenkau gegründet.
Hier wurde schon um Meisterschaften gespielt. Diese Überlieferungen kamen von P. Hüfner, der mit den Spielern K. Krembs, P. Krembs, H. Krembs und H. Barth die Stamm-mannschaft bildete.
Auch waren schon untere Mannschaften vorhanden. Da der Platz vor der 1909 gebauten Turnhalle nicht mehr ausreichte, wurde der Sportplatz am Wasserturm errichtet. Hier entstand auch der erste Hartplatz.

Die sehr guten Geräteturner zeigten auch im Umgang mit dem Faustball hervorragende Leistungen, was durch Meisterschaften belegt wurde.
Der 1. Weltkrieg unterbrach auch diesen Sport, doch 1919 ging es mit voller Kraft weiter. Die oben angeführte Mannschaft qualifizierte sich 1926 für die Landes-meisterschaften in Sachsen, wo sie in Wittgensdorf in der Endrunde den 2. Platz belegte. Hier muss noch eingefügt werden, dass sich Faustball zu einer Familien-sportart entwickelt hatte. Familie Krembs (4 Sportler), Barth (3 Sportler) und Hüfner (2 Sportler).

In den Jahren 1922/23 bildete sich die erste Frauenmannschaft in Groitzsch. Vorher war dies nicht möglich, da die Bälle für Frauen noch nicht geeignet waren. Einige Namen damaliger Spielerinnen waren: Johanna Hüfer, H. Tag-Fröhlich, Liddy Voigt, Else Bergner. Diese Mannschaft wechselte zu der 1921 gegründeten Handballabteilung, da der Spielbetrieb bei den Faustballfrauen noch zu gering war.

Bei den Männern wurde Faustball immer weiter gespielt. So gab es von 1924 an  keinen Donnerstag, solange das Wetter erlaubte, wo nicht auf 2, 3 Feldern gespielt wurde. Da spielten alle, angefangen vom 14jährigen bis zum Altersturner mit großer Begeisterung. Inzwischen waren auch jüngere Kräfte herange-wachsen: Aufschlag der gute Linkshänder A. Kapphahn, rechts Robert, der jüngste der Familie Barth, Martin Schlegel als Mittelmann und Kurt Erler rechts hinten. Im Verein mit den alten Kämpfern H. Krembs und P. Hüfner wurden  die größten Erfolge erreicht.

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Sport stark gedrosselt und kann ganz zum Erliegen. Der Krieg hatte den Sportlern an Leid und Leben viel abgefordert. Mit Erlaubnis des ersten Sportausübens, waren die alten Kämpfer wieder in der ersten Reihe, um alles neu aufzubauen.

Da in der bestehenden SG Groitzsch nur Fußball gespielt wurde, übernahm die inzwischen aufgebaute BSG „Fortschritt” die Bildung neuer Sektionen. 1949 begann man mit dem Aufbau einer Sektion Faustball, unterstützt vom dienstältesten BSG-Leiter, Sportfreund Kurt Heynold. Unterstützung erhielten wir von der Leitung der „IG Textil, Bekleidung und Leder”, so dass wir über Lehrgänge das Rüstzeug erhielten, schneller vorwärts zu kommen.
Ich nenne hier einige Sportfreunde der ersten Stunde: Kurt Heynold, Heinz Hofmann, Manfred Klaukien, Kurt Geyer, Herbert Krembs, Martin Schlegel, Werner Arndt sowie den so schnell verstorbenen Spfrd. Hammer. Sie brachten den Namen  der BSG „Fortschritt” schnell in große Kreise.

Auch die Frauen wurden nicht vergessen. Schon 1950 hatten wir 2 Frauen-mannschaften aus dem Betrieb „Bella” Schuhfabrik zum Spielen ermuntert. Die Spielerinnen Irmtraud Erbs, Charlotte Ehnold, Irene Schirmer, Ruth Kraft, Eva Müller, Ingetraud Tübler, Brigitte Welke, Margarete Steinkopf und andere wurden in den Spielbetrieb eingebaut.

Die Sektion war auf 3 Männer-, 2 Frauen-, und 6 Nachwuchsmannschaften angewachsen.
So konnten 1956 insgesamt 11 Mannschaften zum Wettkampf antreten.Kreismeister und
Bezirksmeister wurden öfters gestellt.
Durch Überzeugung traten der Sektion auch betriebsfremde Sportler bei.
So Sportfreund Gerhard Schirmer, der sich als Spieler und Übungsleiter qualifi-zierte und
gute Erfolge hatte. Nicht zu vergessen Herbert Friedrich, der unauffällig arbeitete, als Spieler,
Übungsleiter und als Mädchen für alles.

Im Kinderferienlager der „Bella” Schuh-fabrik baute Sportfreund Martin Schlegel eine
Mädchenmannschaft auf, die bei der Spartakiade eine Silbermedaille er-kämpfte.
Die Betreuung der Mädchen lag in den Händen von Margarete Kuppe,
Spielerin der 1.Frauenmannschaft.

Inzwischen hatte Sportfreund Martin Schlegel eine Frauenmannschaft gebildet,
(Helga Menge, Helga Schlegel, Renate Renker, Sonja Dawid, Margarete Kuppe und
Waltraud Dietzschold) welche zum Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig die Silbermedaille erkämpfte.Bei starker Konkurrenz im Bezirk wurde mehrere Male die Meisterschaft errungen und
später sogar der Aufstieg in die Oberliga geschafft. Nun zu den Männern.
Aus gesundheitlichen Gründen legte Sportfreund Martin Schlegel seine jahrelange Funktion
als Sektionsleiter nieder. Sportfreund Peter Gleisberg wurde sein Nachfolger.
Übrigens waren die Faustballer nicht nur sportlich auf der Höhe.
Durch zahlreiche Arbeitseinsätze wurden Hart- und Rasenplätze geschaffen.
Sportfreund Peter Gleisberg, der das Amt des Sektionsleiters bis 1978 ausübte,
war in dieser Zeit Mitglied der Spielkommission des DFV der DDR.
In diesem Zeitraum spielten in der Sektion 11 Mannschaften, davon 9 Nach-wuchsteams.
Die Männermannschaft war mehrmaliger Bezirksmeister und spielte in der DDR-Liga.

Bei den Wahlen 1978 wurde Sportfreund Hans-Georg Lehmann zum neuen Sek-tionsleiter gewählt.
Unter seiner Leitung wurden die guten Ergebnisse fortgesetzt
(DDR-Liga, Bezirksmeister, Spartakiadesieger ) und das Leben im Verein gefestigt.

Die Krönung in seiner Amtszeit war, die von Herbert Friedrich geführte Mädchenmann-schaft,
die 1980 mit den Spielerinnen Heike Namowitz, Ina Stolzenberg, Grit Hugo, Ines Teubel,
Anke Viehweg und Carmen Wiese-hügel den ersten und einzigen DDR-Meistertitel für Groitzsch holten. Ein weiterer Höhepunkt war die Ausrichtung der DDR Bestenermittlung der AK 14  im Jahre 1982.

Mit dem Tag der Wende gab es auch bei den Faustballern einen gewaltigen Zusammen-bruch.
Von derzeit 4 mühsam aufgebauten Nachwuchsmannschaften blieben nur ganze 2 Spieler übrig.
Nur der Stamm der 1. Mannschaft hielt noch eisern zur Stange.
Es dauerte eine ganze Weile bis sich herum-gesprochen hatte, dass durch ein vereintes
Deutschland auch der Faustballsport wieder lukrativer geworden ist.

Im Laufe der Zeit (1992/93) entstanden wieder 3 Erwachsenenmannschaften.
In dieser Zeit übernahm auch Sportfreund Gerhard Schenke die Geschicke der Sektion.
Es wurde verstärkt um Nachwuchs geworben und unser Bemühen hatte bald Erfolg.
Ab 1994 wurden wieder Kinder- und Jugendspartakiaden gespielt, nun unter dem Namen Kinder- und Jugendsportspiele. Seitdem herrscht im Nachwuchsbereich wieder reger Betrieb.
Die 1. Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Landesliga Sachsen, wo wir heute in der Feld- und
Hallensaison präsent sind.

Höhepunkte im Faustballalltag waren immer das internationale Turnier in Seekirchen (Österreich)
und unser eigenes, welches in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Turniere in Sachsen wurde.

Im Jahre 1998 begingen wir das 100jährige Bestehen des Faustballsports in Groitzsch. Unter diesem Motto stand in jenem Jahr unser Turnier. Es wurde mit 25 teinehmenden Mannschaften unseres Jubiläums würdig.

Wir können also beruhigt sagen, Faustballspielen in Groitzsch macht Spaß, das zeigen nicht zuletzt 2 Männer -, 1 Mix- und derzeit 3 Nachwuchsmannschaften.
Die Erfolge unserer Faustballabteilung kann man in Form von Pokalen, Urkunden und Erinnerungsgeschenken in unserem Traditionsschrank im Sportlerheim besichtigen.